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USA, 1950 Übersetzt von Lore Strassel 198 Seiten, eine Karte ISBN 3-9804569-0-0 unverb. Preisempf. € 50,-- Leider nicht mehr lieferbar.
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TEXTAUSZUG:
Schon von
Geburt
an war Guyal von Sfere anders als seine Mitmenschen, und seine
Entwicklung machte bereits in jungen Jahren seinem Erzeuger große
Sorgen. Rein äußerlich
war er völlig normal, aber in seinem Gehirn gab es eine Leere, die
gefüllt
werden wollte.
Es
war,
als hätte seine Geburt unter einem Zauber gestanden, der das Kind
mit
einem unstillbaren Wissensdurst belastet hatte, so daß jedes,
auch
das unbedeutenste Ereignis für ihn zum Wunder wurde, über das
er
mehr zu erfahren trachtete. Beispielsweise stellte er bereits, als er
kaum
vier Jahre alt war, folgende Fragen:
»Warum
haben Quadrate mehr Seiten als Dreiecke?«
»Wie
werden wir sehen, wenn die Sonne erlischt?«
»Wachsen
auch unter dem Meer Blumen?«
»Prasseln
und zischen die Sterne, wenn es des Nachts regnet?«
Sein
Vater
antwortete ungeduldig:
»So
bestimmt es das Pragmatika. Quadrate und Dreiecke müssen der Regel
gehorchen.«
»Wir
werden gezwungen sein, uns durch die Dunkelheit zu tasten.«
»Ich
konnte mich dessen nie vergewissern. Nur der Kurator weiß
es.«
»Aber
durchaus nicht, denn die Sterne sind hoch über dem Regen, ja
höher selbst als die höchsten Wolken, und sie schwimmen in
verfeinerter Luft,
in der es nie zum Regnen kommen kann.«
Als
Guyal
zum Jüngling heranwuchs, zog die Leere in seinem Geist sich nicht
zusammen,
wie man gehofft hatte. Im Gegenteil, sie schien in einem noch
stärkeren
Verlangen zu pulsieren. Und so fragte er:
»Weshalb
sterben Menschen, wenn sie getötet werden?«
»Was
wird aus der Schönheit, wenn sie verschwindet?«
»Wie
lange leben die Menschen schon auf der Erde?«
»Was
ist jenseits des Himmels?«
Worauf
sein
Vater mühsam die Bitterkeit unterdrückte und
folgendermaßen antwortete:
»Der
Tod ist das Erbe des Daseins. Die Lebenskraft eines Menschen ist wie
Luft in einer Blase. Stichst du eine Nadel hinein, so flieht das Leben
wie die Farbe eines erlöschenden Traums.«
»Schönheit
ist ein Glanz, den die Liebe verleiht, um das Auge zu täuschen.
Deshalb kann man sagen, daß das Auge nur dann keine
Schönheit sieht, wenn
das Herz ohne Liebe ist.«
»Manche
nehmen an, der Mensch sei aus der Erde erstanden wie Made in einer
Leiche. Andere sind der Ansicht, die ersten Menschen ersehnten sich ein
Zuhause und
erschufen deshalb die Erde durch einen Zauber. Wie es wirklich war,
kann
nur der Kurator mit Sicherheit beantworten.«
»Eine
endlose Öde.«
Und
Guyal
grübelte und postulierte, stellte Thesen auf und
äußerte seine
Meinung, bis er schließlich zum Gegenstand heimlichen
Gespötts wurde. Das Gerücht ging um, daß ein Gleft auf
Guyals Mutter aufmerksam
geworden war, als sie in den Wehen lag, und er zu dieser Zeit einen
Teil
von Guyals Gehirn stahl. Dieses Manko versuchte der Junge nun mit aller
Gewalt
zu beheben.
Als
Guyal
bemerkte, daß man keinen Wert auf seine Gesellschaft legte,
sonderte
er sich ab und streifte allein über die grünen Hügel
Sferes.
Doch nie ruhte sein Verstand, er wollte Näheres über alles
wissen,
was er sah, und konnte gar nicht genug erfahren, bis sein Vater eines
Tages
verdrossen erklärte, er wolle keine weiteren Fragen hören.
Alles
Wissen sei einmal bekannt gewesen, das unwichtige und bedeutungslose
habe
man vergessen und der Rest genüge völlig für einen
gesunden,
normalen Menschen.
Zu
dieser
Zeit reifte Guyal zum Mann heran. Er war ein schlanker, gutaussehender
Bursche
mit großen klaren Augen, einem Hang zu eleganter Kleidung und
einem
heimlichen Kummer, der sich in seinen leicht herabgezogenen Mundwinkeln
bemerkbar
machte.
Als
sein
Vater diese grimmige Erklärung abgab, sagte Guyal: »Nur noch
eine
Frage, dann werde ich keine mehr stellen.«
»Also
gut«, brummte sein Vater. »Eine Frage sei dir noch
gewährt.«
»Du
hast so oft den Kurator erwähnt. Wer ist er? Und wie kann ich ihn
finden,
um meinen Wissensdurst endlich zu befriedigen?«
Einen
Augenblick
lang musterte der Vater den Sohn, den er nun für hoffnungslos
verrückt
hielt. Dann erwiderte er mit ruhiger Stimme. »Der Kurator bewacht
das
Museum der Menschheit, das sich uralter Legende nach im Land der
Fallenden
Wand jenseits der Berge von Fer Aquila und nördlich von Ascolais
befinden
soll. Es ist nicht bekannt, ob das Museum der Menschheit noch existiert
und
der Kurator noch am Leben ist. Doch dünkt mir, wenn der Kurator
wahrhaftig
alles weiß, wie die Legende behauptet, dann müßte er
wohl
auch den Tod zu trotzen verstehen.«
»Ich
möchte den Kurator und das Museum der Menschheit aufsuchen«,
erklärte
Guyal, »damit auch ich alles erfahre, was es zu wissen
gibt.«
Seufzend,
doch voll Geduld versprach ihm sein Vater: »Ich werde dir meinen
edlen
Schimmel überlassen, dir mein dehnbares Ei als Unterschlupf vor
jeglicher
Gefahr mitgeben und dazu meinen leuchtenden Dolch, um dir Licht im
Dunkeln
zu spenden. Außerdem segne ich deinen Weg, damit die Gefahr sich
dir
fernhält, solange du nicht von ihm abweichst..«
Guyal
unterdrückte
die hundert neuen Fragen, die sich ihm über die Zunge drängen
wollten,
einschließlich jener, wo sein Vater diese Manifestationen der
Zauberei
herbeizurufen gelernt hatte, und nahm dankbar die Geschenke an: das
Pferd,
die magische Unterkunft, den Dolch mit dem leuchtenden Schaft und den
Segen,
der ihn von allen Unannehmlichkeiten bewahren sollte, die einem
Reisenden
auf den fast unbekannten Wegen Ascolais´ drohen mochten.
Er
streifte
seinem Schimmel eine prachtvolle Decke über, steckte den Dolch in
die
Scheide, warf einen letzten Blick auf das alte Haus in Sfere und machte
sich
auf den Weg nach Norden, und die Leere in seinem Gehirn pochte und
drängte
nach Wissen, das seine Qualen lindern würde.